Wien, am 19. Oktober 2007

Auf Wien hatte Dr. Christian Blüthner-Haessler gewartet. Seit dem Fall der Mauer hatte das Unternehmen seine wiedergewonnene Freiheit voll ausgekostet, Niederlassungen in den USA gegründet und Zentren in London, Moskau, Tokio und Shanghai eröffnet. Aber Wien war eben Wien, die Welthauptstadt der klassischen Musik. Und dieser heutige 19. Oktober im Jahre 2007 sollte die Präsenz des goldenen Klangs in Wien für immer besiegeln - an der Bräunerstraße, mitten im Ersten Wiener Gemeindebezirk. Christian rückte seine Krawatte zurecht und betrat das neue Geschäft. Vier elegante, ausladende Räume unter einem geschichtsträchtigen Gewölbe, im Haus der Konservatorium Wien Privatuniversität. Das passte.


Erwartungsvoll drängten sich an die hundert Gäste zwischen Flügeln und Klavieren. Eilig schüttelte Christian Hände, begrüßte Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel und Volksoperndirektor Robert Meyer. Nein, es sei nicht Ziel, angeschlagene heimische Mitbewerber zu verdrängen, sondern auf den großen Podien der Welt präsent zu sein, versicherte er lächelnd, etwa so, wie vor einhundert Jahren. Wir werden hier ernst genommen. Gut so. Dann wandte er sich an Marion Schunack und Stephan Zwiauer, an jene beiden jungen Menschen, denen er die Geschicke der österreichischen Niederlassung in den kommenden Jahren anvertrauen wollte. Er richtete Grüße und Glückwünsche aus, von seinem Bruder Knut, der als technischer Geschäftsführer wirkte. Und von seinem Vater Ingbert, der sich inzwischen der Nachwuchsförderung verschrieben hatte.


Und dann, als Florian Krumpöck den großen Konzertflügel mit Liszts "Dante-Fantasie" zum Singen brachte, lächelte Christian leise. Es war Liszt gewesen, der vor 150 Jahren von der Vollkommenheit eines Blüthners geschrieben hatte. Und heute Abend hier in Wien spürte man einmal mehr, dass diese Vollkommenheit nicht aufzuhalten war.